Kaninchen richtig füttern - Tipps zur Ernährung

Sie möchten mehr über die artgerechte Ernährung von Kaninchen erfahren? Wie Sie die kleinen Hasen richtig füttern, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Kaninchen frisst Grünzeug

In der Natur lebende Kaninchen ernähren sich vorwiegend von Gräsern, Kräutern und Früchten. Allerdings sind die Heimkaninchen ihren freilebenden Verwandten sehr ähnlich und bevorzugen daher ebenso eine ausgewogene und vor allem natürliche Ernährung. Diese Tatsache sollten Sie beachten, wenn es um die Fütterung Ihrer Haustiere geht, denn Kaninchen brauchen vorwiegend frische Pflanzennahrung.

Das Verdauungssystem des Kaninchens

Die wenigsten Kaninchenhalter wissen, welche Vorgänge nach der Nahrungsaufnahme im Körper der kleinen Hasen ablaufen. Es ist jedoch von äußerster Wichtigkeit, die Zusammenhänge zu verstehen, will man seine Kaninchen richtig füttern und gesund ernähren.

Sowohl die vorderen Schneidezähne als auch die Backenzähne eines Kaninchens wachsen ein Leben lang wöchentlich bis zu 1,8 mm. Daher müssen Futter und Knabbereien gereicht werden, die den Zahnabrieb begünstigen, anderenfalls können bei mangelnder Abnutzung Verletzungen im Mundbereich sowie Behinderung der Futteraufnahme die Folge sein.

Auch der Magen-Darm-Trakt der Kaninchen verlangt nach bestimmten Fütterungsregeln. So leistet der Verdauungstrakt zwar bei der bestmöglichen Verwertung der nährstoffarmen Kaninchennahrung wahre Wunderwerke, doch insbesondere die Magenwand hat nur schwach ausgeprägte Muskeln. Infolgedessen wird aufgenommenes Essen nur weitertransportiert, wenn neues „nachrutscht“. Man spricht vom sogenannten Stopfmagen. Demnach kann die Verdauung nur in Schwung gehalten werden, wenn das Kaninchen immer wieder kleine Portionen zu sich nimmt. Daher muss dem Haustier dauerhaft Nahrung bereitstehen.

Kaninchen mit Heu füttern

Das wichtigste Grundnahrungsmittel für Zwergkaninchen ist Heu. Das getrocknete Gras entspricht der natürlichen Ernährung, sollte stets zur Verfügung stehen und macht etwa 70% der täglichen Futtermenge aus. Es kann problemlos ständig vom Kaninchen gefressen werden: Heu macht nicht dick und ist auch als ideale „Diät“-Nahrung bei Beschwerden im Magen-Darm-Trakt angemessen. Durch den hohen Rohfaseranteil, der die Verdauung in Gang hält, trägt es zur Gesundheit des Kaninchens bei und beugt durch intensives Zerkauen Zahnproblemen durch Mangelabrieb vor. Gutes Heu sollte von einer Naturwiese stammen sowie nach Möglichkeit unterschiedliche Kräuter enthalten. Auffälliges Kennzeichen von qualitativ minderwertigem Heu ist eine gelbliche beziehungsweise graue Farbe. Außerdem sollte es weder feucht, noch staubig oder verholzt sein.

Ernährung mit Frisch- und Saftfutter

Als reinem Pflanzenfresser sollte dem Kaninchen täglich unbedingt eine Portion frisches Grünfutter zur Verfügung stehen. In diesem Punkt ist vor allem Gemüse von äußerster Wichtigkeit. Ab und an kann auch gerne Obst verfüttert werden. Die genaue Futtermenge ist von Tier zu Tier unterschiedlich, jedoch reichen keinesfalls die Grünabfälle. Dass Risiko, dass sich ein Kaninchen „überfrisst“ ist, bei guter und immer ausreichender Futtergabe, nicht gegeben. Daher sollte so viel gefüttert werden, dass es selbst aussuchen kann, wann es aufhört zu fressen. Allerdings ist es empfehlenswert, als Halter einmal am Tag die alten Reste von Obst und Gemüse zu entfernen.

Auch Kaninchen lieben die Abwechslung, daher sollte man natürlich auf die Gabe von unterschiedlichen Gemüse- und Obstsorten achten. Dennoch sollten größere Umstellungen in der Ernährung unbedingt vermieden werden. Genauso muss man seine Kaninchen an Neues Futter stets langsam über kleine Mengen heranführen, um die Verträglichkeit zu testen. Bestens geeignet für die Fütterung sind zum Beispiel Möhren, Fenchel, Sellerie oder Petersilienwurzel. Zu den verträglichen Obstsorten gehören unter anderem Erdbeeren, Birnen oder Äpfel. Weiterhin sind Ananas, Aprikose, Brombeere und jegliches saisonale Obst zu empfehlen.

Wissenswert ist, dass viele Obstsorten sich auch auf die Gesundheit des Kaninchens auswirken können. Die Honigmelone kann im Sommer zum Beispiel eine Unterstützung sein, um dem Kaninchen die Hitze erträglicher zu machen. Denn auch Kaninchen können einen Hitzschlag erleiden. Erdbeeren sind sehr wasserhaltig und vitaminreich und können Linderung bei Blasen- und Nierenleiden bedeuten. Die Birne wirkt dabei ebenso, sollte allerdings unbedingt vermieden werden, wenn das Kaninchen Darmparasiten hat. Gegen Entzündungen und verstopfte Atemwege kann man die Brombeere nutzen. Ihre Blätter befreien die Atemwege und durch ihre Beschaffenheit, bekämpft sie Entzündungen und reguliert die Sommerhitze. Äpfeln wird hingegen eine verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt. Bedenken sollte man bei der Fütterung von Obst, dass verschiedene Sorten miteinander ausgewogen kombiniert werden und das man diese nicht häufiger als 1-2 Mal pro Woche füttern sollte. Auch bei einem Kaninchen zählt die Ausgewogenheit.

Besondere Vorsicht gilt bei der Fütterung von Kohl, der sich in erster Linie durch den Reichtum an Nährstoffen sehr gut als Winterfutter eignet. Trotz dessen wirkt dieser schnell blähend und kann beim Häschen für starke Bauchschmerzen sorgen. Auch hier gilt die Regel, dass sich zunächst über kleine Fütterungsmengen herangetastet wird. Am besten bekömmlich sind Chinakohl sowie Kohlrabiblätter.

Futterpflanzen und Kräuter aus der Natur

Wiesengrün ist die natürlichste Form der Ernährung für Kaninchen. Ähnlich wie Heu fördert es durch langes Kauen den Zahnabrieb und hat einen hohen Rohfasergehalt. Je mehr verschiedene Kräuter und Gräser im Wiesengrün enthalten sind, umso größer ist der Knabberspaß für die kleinen Hasen Der Vorteil gegenüber dem Heu als getrocknete Form ist die zusätzliche Aufnahme von Flüssigkeit.

Die Sammelplätze müssen jedoch gut ausgewählt sein. Gepflückter Löwenzahn vom Straßenrand empfiehlt sich natürlich nicht zur Fütterung. Vielmehr sollte das Grün von naturbelassenen Wiesen, beispielsweise aus Naturschutzgebieten oder Biotopen, stammen. Typische Wiesenblumen, zum Beispiel Gänseblümchen oder Spitzwegerich, können bedenkenlos verfüttert werden.

Als Abwechslung kann das Kaninchen auch an Zweigen von Hainbuche, Haselnuss oder anderen Bäumen und Sträuchern – gerne auch mit Knospen und Blättern – nagen. Auch hier ist der Zahnabrieb als gesundheitsförderlicher Nebeneffekt gegeben.

Als äußerst beliebt gelten bei Zwergkaninchen auch Küchen- und Gewürzkräuter. Sie freuen sich über Basilikum, Kamille, Melisse und Petersilie als Nascherei für zwischendurch, aber auch in großen Mengen sind die Kräuter gut verträglich. Leidet das Kaninchen zum Beispiel unter Appetitlosigkeit, Krämpfen oder Verdauungsbeschwerden, kann die Zufütterung von Basilikum für Linderung sorgen. Ebenso ist Bohnenkraut empfehlenswert. Dill ist eine wahre Vitamin-C-Bombe und kann gerne öfter auf dem Futterplan stehen. Es unterstützt im Übrigen die Milchproduktion bei säugenden Häsinnen und lindert manche Kolik. Kerbel und Estragon sind nicht nur gesunde Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung, sondern wirken lindernd bei Blasen- und Nierenleiden der Kaninchen.

Fertigfuttermischungen sinnvoll oder nicht?

Ein Wohnungskaninchen, welches nicht zur Zucht eingesetzt wird, benötigt bei richtiger und ausgewogener Ernährung weder Trocken-, Kraft- noch Mastfutter. Häufig enthält dieses zu viel, für das Kaninchen schwer verdaubares Getreide. Für Fertigfuttermischungen typische Inhaltsstoffe sind außerdem Zucker, Stärke und ein hoher Fettgehalt. Diese Stoffe führen nur zu Verdauungsbeschwerden und Übergewicht mit den entsprechenden gesundheitlichen Folgen. Fressen die Zwerge zu viel davon, haben sie außerdem keinen Appetit mehr auf Grünes und das unverzichtbare Heu. Somit gerät nicht nur die Verdauung ins Stocken, sondern wichtige Nährstoffe, wie etwa Vitamine und Ballaststoffe, fehlen.

Sollte man dennoch nicht von der Fütterung von Trockenfutter ablassen wollen, so ist es unverzichtbar, ein genaues Augenmerk auf die Inhaltsstoffe zu legen. Ein geringstenfalls 16 prozentiger Rohfasergehalt sowie ein maximaler Fettgehalt von zwei bis drei Prozent sind unabdingbar. Die Futtermischung sollte jedoch in kleinen Mengen (maximal 20 g am Tag) und niemals als Ersatz für Grün- oder Saftfutter verabreicht werden.

Naschereien & Leckereien fürs Kaninchen

Sicher will man seine Haustiere mit kleinen Leckerbissen zwischendurch verwöhnen. Doch Knabberstangen, Drops & andere Leckereien aus den Super- sowie Zoofachmärkten enthalten allesamt Getreide, Mais, Melasse und Zucker. Zwar lieben Kaninchen den Geschmack, doch ist solch eine Ernährung weder verdauungsförderlich noch gesund. Die reinen Dickmacher sind aber sicherlich nicht die einzigen Gaumenfreuden, die man bereiten kann. Gesunde Naschereien für zwischendurch, die in jedem Zoochfachhandel erhältlich sind, können Kräutermischungen, Hagebutten oder getrocknete Apfelscheiben sein, aber auch grüner Hafer, Brennnesseln und Löwenzahn werden gern gefressen. Ebenso wenig benötigt werden Salz- oder Mineralsteine. Solche Zusätze werden vom Organismus der Hasen bei artgerechter Ernährung nicht gebraucht.

Was sollten Kaninchen trinken?

Frisches Wasser sollte den Kaninchen dauerhaft zur freien Verfügung stehen und täglich gewechselt werden. Von Nippeltränken ist abzuraten, da sie beim Trinken eine ungünstige Körperhaltung vom Kaninchen verlangen. Am besten stellt man das Wasser in einem Stein- oder Keramiknapf bereit. Sollte das Leistungswasser gechlort sein, empfiehlt es sich, dieses vorher abzukochen oder stattdessen einfach stilles Mineralwasser zu verwenden. Auf Wasser aus Flaschen sollte auch bei hoher Nitratbelastung des Leitungswassers zurückgegriffen werden.

Andere Flüssigkeiten müssen dem Kaninchen nicht zusätzlich verabreicht werden. Kamillentee ist nur zum medizinisch-therapeutischen Gebrauch zweckmäßig und Milch hingegen wird vom Kaninchen gar nicht vertragen.

Was dürfen Kaninchen nicht fressen?

Kaninchen als vegane Pflanzenfresser können tierische Eiweiße nur schlecht verdauen. Dementsprechend sollten sämtliche tierische Produkte wie Wurst, Käse oder Fleisch vom Speiseplan des Kaninchens gestrichen werden. Dazu gehört auch Milch! Doch auch verschiedene Pflanzen, wie etwa Lupinen oder Sauerklee, sowie manche Gemüse- und Obstsorten, beispielsweise rohe Kartoffeln oder exotische Früchte wie Guaven, können unverträglich oder gar giftig sein. Es ist daher von großer Bedeutsamkeit sich vor der Fütterung über die Verträglichkeit im Einzelnen zu informieren.

Das Füttern von Knäckebrot und Zwieback sollte unbedingt vermieden werden, Denn die Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Salz und Zucker sind für ein Kaninchen nicht zu empfehlen. Zudem ist der hohe Anteil an Getreide nicht artgerecht und ebenfalls ungesund.

Große Futterumstellungen sollten in jedem Fall vermieden werden. Lässt sich eine solche Änderung der Ernährung nicht umgehen, ist eine langsame Umgewöhnung zu empfehlen.

Folgen fehlerhafter Ernährung können von harmloser Natur sein, aber auch von Lebensmittelvergiftungen bis hin zum Tod führen. Dennoch sind sie in jedem Fall unangenehm oder gar schmerzhaft für das Kaninchen. Oftmals sind die Konsequenzen gravierender, da die Signale des Tieres unbemerkt bleiben. Man sollte stets für jegliche Verhaltensänderungen der kleinen Zwerge sensibel sein, auf typisches Fress- und Ausscheidungsverhalten achten und gegebenenfalls bei Unklarheiten einen Tierarzt konsultieren.

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